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Konferenz "Zentrum und Peripherie" - Nizhni Novgorod 18.-21. September 1995

Konferenz 'Zentrum und Peripherie'Tagungsbeiträge

Geschichte und Region (Abstract)

Prof. Dr. Ernst Hinrichs, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Der Vortrag wird sich mit den wesentlichen Ansätzen, Projekten und Ergebnissen der regionalgeschichtlichen Forschung im nordwestlichen Niedersachsen in den letzten zwanzig Jahren beschäftigen.

Ausgangspunkt ist die sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Wendung der modernen Geschichtswissenschaft in den sechziger und siebziger Jahren, die dazu führte, daß auch die Landesgeschichte, bis dahin überwiegend als Staaten und Territorialgeschichte verstanden, in den Sog neuer Ansätze und Betrachtungsweisen gezogen wurde: Nicht mehr die politische Geschichte, nicht mehr die großen Ereignisse und Persönlichkeiten, nicht mehr die Gedanken der "Entwicklung" und "Individualität", so die neue Auffassung, sollten das Geschichtsbild primär bestimmen, sondern Strukturen und Prozesse, überindividuelle Handlungszusammenhänge, Verhältnisse und Zustände. Mag man auch im Rückblick diese Wandlung der Forschungsperspektive, der gelegentlich die Qualität eines Paradigmawechsels zugeschrieben wurde, angesichts der Renaissance z.B. der Politikgeschichte etwas relativieren wollen, so läßt sich doch nicht leugnen, daß sie den tatsächlichen Forschungsprozeß ungeheuer befruchtet hat.

In der Landes- und Regionalgeschichte wurde das auf folgenden Ebenen sichtbar, und diese sollen im Vortrag an Beispielen aus Nordwestniedersachsen (und Niedersachsen allgemein) im einzelnen beschrieben werden:

A. Eine theoretisch-methodische Ebene:

  1. Entwicklung eines neuen, von älteren staatlichen Vorbildern unabhängigen Regionsbegriffs.
  2. Die Integration der quantifizierenden Methoden in den bisherigen Methodenset der Historiker.
  3. Internationalität des Forschungprozesses.
B. Eine wirtschafts- und sozialgeschichtliche Ebene:

  1. Bevölkerungsgeschichte, historische Demographie, Familiengeschichte.
  2. Entwicklung der sozialen Strukturen.
  3. Geschichte der säkularen Wechsellagen vom hohen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.
  4. Historische Industrialisierungsforschung inklusive Proto-Industrialisierung.
C. Eine bildungshistorische Ebene:

  1. Alphabetisierungsforschung.
  2. Regionale Schulgeschichte.
  3. Prozesse der nicht-schulischen Bildungsgeschichte, z.B. Buch- und Lesergeschichte, Aufklärungsforschung etc.
D. Eine mentalitäts- und kulturgeschichtliche Ebene:

  1. Alltagsgeschichte in einem umfassenden, kulturgeschichtlichen Sinn.
  2. Geschichte der Lebensverhältnisse und Lebensformen.

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