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Konferenzen >> Nizhni Novgorod 1995 - Programm >> Beitrag H.-J. Siewert Konferenz "Zentrum und Peripherie". Nizhni Novgorod 18.-21. September 1995
Regionale Kulturpolitik in Niedersachsen (Abstract) Dr. H.-Jörg Siewert, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur Der Begriff "Regionale Kulturpolitik" wird im Referat in einem weiten Sinne verstanden und beschränkt sich insbesondere im zweiten Teil des Referats nicht auf räumliche Kategorien. (1) Niedersachsen ist ein typisches Flächenland. Es wird durch einen klassischen Zentrum-Peripherie-Konflikt gekennzeichnet, hier zwischen der Landeshauptstadt Hannover, den fünf größeren Städten (Osnabrück, Oldenburg, Lüneburg, Braunschweig, Göttingen) und den ländlichen Räumen. Im Kulturbereich wird dieser Konflikt zum einen unter dem Aspekt der Überwindung von Disparitäten, zum anderen unter dem Aspekt lokaler Ressourcen, Potentiale, Besonderheiten diskutiert. (2) In Niedersachsen existieren zwischen staatlicher Landesverwaltung und kommunaler Selbstverwaltung historisch gewachsene regionale Verwaltungsorganisationen, wie z.B. die Landschaftsverbände Osnabrück und Stade sowie vor allem die Ostfriesische Landschaft. Was die Aufgaben dieser auf regionaler Ebene tätigen Organisationen betrifft, so finden wir dort alles wieder, was auch zum Bestand örtlicher Kulturpflege in kommunaler Selbstverwaltung gehört: Museen und Bibliotheken, Förderung von Theater, bildender Kunst, Musik und Literatur, Denkmal-, Brauchtums-, Mundart- und Heimatpflege, volkskundliche und heimatgeschichtliche Forschung sowie auch die archäologische Bodendenkmalpflege, den Betrieb eigener Kultureinrichtungen für den Bürger (z.B. Regional- und Freilichtmuseen, Bibliotheken). Die Abgrenzung zu der örtlichen Ebene der Kreise und Städte erfolgt nach dem Subsidiaritätsprinzip, d.h. nur dort, wo die Aufgabe inhaltlich und wirtschaftlich auf der örtlichen Ebene nicht sinnvoll erledigt werden kann, greift die regionale Zuständigkeit ein. Neue Entwicklungen (z.B. Landschaftsverband Südniedersachsen) stellen eher die Funktion des Mittlers, des Organisators, des Managers sowie die Bereithaltung von technischer und personeller Infrastruktur in den Vordergrund. Die historisch bedingten Landschaften beginnen sich ebenfalls in diese Richtung zu entwickeln. (3) In jüngster Zeit wird - aufbauend auf dem Modell der holländischen Stadt Tilburg - das Thema Verwaltungsreform auch im Kulturbereich ausgiebig diskutiert, zum Teil erprobt. Dabei begegnet uns häufig die - in der Regel aus fiskalischen Spargedanken angestrebte - Auslagerung kultureller Verantwortungwie Tätigkeit an freie Träger bzw. Private. Dies wird auch unter dem Aspekt der "Privatisierung" diskutiert und meint die Übertragung bestimmter Bereiche kultureller staatlicher Dienstleistungsprodukte auf privatwirtschaftliche Unternehmen und die Überführung von Behörden bzw. Teilen von ihnen in private Rechtsformen (GmbH, AG). Beide Entwicklungen verwischen sich mit der Strategie des "Empowerment", d.h. dem Bemühen, gesellschaftliche Gruppen an der Erstellung öffentlicher Güter zu beteiligen. Die Gründe für derartige Strategien liegen in * Sparabsichten * hoher Umweltkomplexität der Kulturverwaltungen * Professionalisierung der Akteure * Ergebnissteuerung. (4) Ein weiterer Aspekt von Dezentralisierung, Regionalisierung ist die verstärkte Nutzung von ehrenamtlichen Kräften (volunteers). Ehrenamtliche Mitarbeit in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen hat in Deutschland eine lange Tradition. Der überwiegende Teil der Kulturarbeit im ländlichen Raum wird von Vereinen und damit von Ehrenamtlichen geleistet, der organisierte Sport basiert auf dem Ehrenamt etc. Ehrenamtliches Engagement wurde in den letzten Jahren als gesellschaftliche Ressource entdeckt. Ein Beispiel dafür ist die Weitergabe von wirtschaftlicher und technischer Kompetenz und Erfahrung der Senioren an Jüngere ("Senioren helfen Existenzgründern"). Für den öffentlichen Kulturbereich ist eine Aktivierung von ehrenamtlichen Ressourcen bislang noch nicht gängig. Es kann unterstellt werden, daß die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement im Kulturbereich nicht geringer ausgeprägt ist als in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Insofern kann von einem nicht unerheblichen Potential von Personen ausgegangen werden, die grundsätzlich motiviert werden können, ihre Erfahrung und ihr Wissen für Vermittlungsarbeit in unterschiedlichen kulturellen Feldern ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. So könnte beispielsweise versucht werden, bestimmte Sammlungen zu betreuen etc. Konferenzen >> Nizhni Novgorod 1995 - Programm >> Beitrag H.-J. Siewert |
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