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Konferenzen >> Saratow Mai 2002 >> Beitrag K.-H. Ziessow Internationale wissenschaftliche Konferenz: Russlanddeutsche in Russland und Deutschland am Ende des XX. Jahrhunderts - Saratow, 26.-28. Mai 2002 Tagungsbeiträge Sammlungen und Ausstellungen zur russlanddeutschen Geschichte. Maßnahmen zur konzeptionellen Zusammenarbeit (Abstract) Dr. Karl-Heinz Ziessow, Niedersächsisches Freilichtmuseum Cloppenburg Ausgangslage Die Sammlung und Präsentation der russlanddeutschen Überlieferung hat seit dem Ende der Sowjetunion in Russland eine erhebliche sachliche und finanzielle Aufwertung erfahren. Vorhandene Sammlungen und Archive sind systematisch erschlossen und aufbereitet, bestehende Präsentationen überarbeitet und neue erstellt worden. Systematische Erhebungen und Befragungen in den Siedlungs- und Deportationsgebieten haben darüber hinaus in den neunziger Jahren wichtiges neues Quellenmaterial zur mentalen und lebenspraktischen Verarbeitung der Deportation, zu zeitgenössischen Aspekten russlanddeutscher Identität und den Motivationslagen der Aussiedlergeneration geschaffen. In Regionalseminaren des Goethe-Instituts Moskau haben Museumsfachleute aus Niedersachsen 1999 und 2000 in Saratow, Wolgograd und Omsk den gegenwärtigen Stand museologischer Überlegungen zur Präsentation russlanddeutscher Sammlungen diskutiert und deren Umsetzung in Museen und Archiven in Augenschein genommen. Ins Auge fallend war dabei die Diskrepanz zwischen der hohen museologischen Fachkompetenz im Umgang mit den Objekten und Dokumenten auf der einen Seite und dem völligen Fehlen moderner Fragestellungen bei der Sammlung und Präsentation des Materials. Dem Thema "Russlanddeutsche" droht bei der Fortsetzung dieser Sammlungs- und Präsentationsstrategien die Historisierung durch eben jene Kultureinrichtungen, die seine objektive Präsentation zur Aufgabe haben. So werden beispielsweise Wohnsituationen des Historismus - einer die Alltagskultur prägenden gesamteuropäischen Erscheinung des Industriezeitalters - in russischen Museen zu Archetypen deutscher Kultur uminterpretiert, weil dies sich in der historischen Wahrnehmung als letzte vorsowjetische Äußerung deutschen Lebens in Russland niedergeschlagen hat. Zielsetzung Während die russischen Museen und Sammlungen sich hinsichtlich der Inventarisierung und der Vernetzung ihrer Arbeiten durchaus mit internationalen Maßstäben messen lassen können, besteht Nachholbedarf insbesondere bei der Objektinterpretation, der Sammlung und Auswertung biographischen Materials sowie generell bei der Umsetzung moderner geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen in den Sammlungs- und Ausstellungskonzeptionen. Gegenwärtige russische Ansätze zur Bearbeitung und Präsentation russlanddeutscher Geschichte sind schon allein aufgrund des Generationenumbruchs und der weitgehenden Auflösung russlanddeutscher Gemeinschaften zur Entwicklung neuer Fragestellungen gezwungen. Interessant sind in diesem Zusammenhang insbesondere jene Perspektiven, die sich an Beispielen des gesamteuropäischen Überlieferungszusammenhangs festmachen lassen und solche, die am Beispiel der Geschichte der Russlanddeutschen das Nationalitätenproblem im "Vielvölkerreich" Russland ethnienübergreifend zur Sprache bringen. In deutschen Museen ist das Thema "Russlanddeutsche" kaum vertreten. So trifft ein durch die massenhafte Aussiedlung in den neunziger Jahren in manchen Regionen zu erheblicher Stärke angewachsener Teil der Bevölkerung in der Kultureinrichtung Museum auf kein Identifikationsangebot. Die Rückkehr in die vermeintlich "eigene" Kultur droht auch an dieser Stelle zu scheitern. Das Museum versäumt damit seine Aufgabe, durch die Präsentation von Selbst- und Fremdbildern in Dokumenten und Objekten Formulierungsangebote für soziale Konflikte zu machen, wie sie bei Russlanddeutschen sowohl innerhalb der Familien zwischen der Elterngeneration der Auswanderer und den Jugendlichen wie auch zwischen der Aussiedlerbevölkerung und ihrem sozialen Umfeld bestehen. Das Thema "Russlanddeutsche" eröffnet somit gute Perspektiven einer konzeptionellen Zusammenarbeit in der Entwicklung neuer Ansätze der Erforschung, Sammlung und Präsentation. Die folgende Serie von Veranstaltungen im deutsch-russischen Kulturaustausch gewährleistet eine enge Verzahnung von wissenschaftlichen Konferenzen und exemplarischer Umsetzung als Grundlage eines Neuansatzes in der binationalen Präsentation russlanddeutscher Geschichte und Gegenwart:
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