![]() |
|
Newsroom >> Pressemitteilungen >> Ein museologisches Netzwerk... Pressemitteilungen Ein museologisches Netzwerk zwischen Russland und Niedersachsen entstehtMuseumsdorf Drehscheibe für deutsch-russische KulturkontakteKarl-Heinz Ziessow Ausgehend von einem Ausstellungsaustausch zwischen fünf Museen aus beiden Ländern im Jahre 1993, hat sich das Museumsdorf Cloppenburg zur Drehscheibe für Kontakte zwischen deutschen und russischen Museologen und Kulturwissenschaftlern entwickelt. Seit das Goethe-Institut in Moskau 1994 als Partner gewonnen werden konnte, ist eine Veranstaltungsreihe zu museologischen und kulturpolitischen Fragen entstanden, die regelmässig einen grossen Kreis von Kollegen zusammenführt.
Aus 25 Städten Russlands waren Teilnehmer der Konferenz eingetroffen, die in diesem Jahr in der Stadt Perm eine Auseinandersetzung mit dem Problem "Museum und Publikum" suchten. So breit wie der institutionelle Hintergrund war auch das Themenspektrum der zahlreichen Vorträge. So referierten Kollegen aus Industriemuseen, aus der Denkmalpflege oder aus Freilichtmuseen ebenso über ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Publikum wie Vertreter von Kunstmuseen oder auch von Universitätsinstituten. Aber auch Künstler und Lehrer kamen zu Wort, die aus wiederum ganz unterschiedlicher Perspektive die Kooperation mit Museen und Galerien beleuchteten. Von Sammlungsstrategien war ebenso die Rede wie von der Stellung der einzelnen Einrichtungen im Kulturleben der Stadt oder Region. Nicht zuletzt kam es zu einem unmittelbar projektbezogenen Austausch zwischen Museologen aus beiden Ländern, die an dem sehr aktuellen Thema von Kriegsgefangenenlagern und politischen Straflagern arbeiten. Außerdem fanden Begegnungen zwischen deutschen und russischen Medienvertretern statt, die vor allem zu Gesprächen über die aktuelle Rolle der regionalen Informationsquellen genutzt wurden. Perm ist eine für russische Verhältnisse eher kleine Stadt von ca. 1,2 Millionen Einwohnern am Ufer der Kama, einem Nebenfluß der Wolga. Das Flugzeug braucht von Moskau noch einmal etwa zwei Stunden, um die 2.000 km bis zum Ural zurückzulegen, und auch in der Überwindung von Zeitzonen muss man sich darauf einstellen, nun zwei Stunden weiter östlich zu sein. 1723 bereits als "Waffenschmiede" von einem der Weggefährten Peters des Grossen hier in der Nähe bedeutender Erzlagerstätten gegründet, blieb die Stadt bis in die jüngste Vergangenheit hinein unter dem Joch dieser militärischen Produktion. Als "geschlossene Stadt" für Ausländer bis 1990 praktisch unzugänglich, war der Drang der Mitarbeiter der zahlreichen Kultureinrichtungen nach der Öffnung um so grösser, Anschluß an die internationale Diskussion zu suchen und Verbindung zu ihren Kollegen in anderen Teilen der Welt aufzunehmen. Vorneweg war immer die Staatliche Kunstgalerie mit ihrer Direktorin Nadeshda Beljajeva. Sie initiierte schon vor Jahren internationale Konferenzen zum Wirken von Sergej Djhagilev, einem der grossen Söhne der Stadt, dem Motor der klassischen russischen Moderne. Nadeshda Beljajeva war es auch, die spontan den Vorschlag aufgriff, in dieser Partnerregion des Landes Niedersachsen 1996 zusammenzukommen und sich in der von ihr geleiteten Kunstgalerie theoretischen und praktischen Fragen des Museumsalltags zu widmen. Für die Organisatoren aus Niedersachsen und Perm war der Verlauf der Tagung nicht zuletzt eine nachdrückliche Bestätigung ihres Konzepts, sich bei dieser Form des deutsch-russischen Kulturaustauschs vor allem auf Einrichtungen und Städte jenseits der Metropolen zu stützen. "Zentrum und Peripherie"lautete das heiß diskutierte Thema der letzten gemeinsamen Konferenz, die 1995 in der einstmals bedeutenden Handelsmetropole Nishnij Novgorod stattfand. Alle Begegnungen dieser vorjährigen Konferenz bekräftigten die Einsicht, daß die kulturelle Initiative im Augenblick eher von den Kultureinrichtungen der aufstrebenden russischen Regionen ausgeht als von Moskau oder St. Petersburg. Die Suche nach regionaler Identität, der organisatorische Hintergrund der lokalen Verwaltung und ein langsam entstehendes regionales Publikum sind im Augenblick ein besserer Nährboden für die neue kulturelle Öffentlichkeit als die durch die finanzielle Misere und innerbetriebliche Bürokratien paralysierten kulturellen Grosseinrichtungen der Metropolen.
Aus den Konferenzen in Nishnij und Perm ist mittlerweile ein Netzwerk von persönlichen Verbindungen zu Kollegen in allen Teilen Russlands hervorgegangen, das sich in den kommenden Jahren in einer Reihe von Begegnungen und Ausstellungen niederschlagen wird. Grosses Interesse in Perm und andernorts fanden die Cloppenburger Ausstellung zum Thema "Milch" sowie eine Sammlung von "Münchhausen"-Illustrationen, die das Stadtmuseum Bodenwerder beherbergt. Auf mehr Resonanz als vielfach in Deutschland stieß in Russland das Thema der Gefangenenlager, deren Geschichte in den letzten Jahren in unzähligen Orten der ehemaligen Sowjetunion zum erstenmal intensiverforscht wird. Die niedersächsischen Teilnehmer zeigten sich tief beeindruckt von der bedeutenden Sammlung regionaler Kirchenkunst, für die das Permer Museum auch über die Grenzen Russlands hinaus berühmt ist. Hier taten sich vielerlei Möglichkeiten zu einer grenzübergreifenden Darstellung ländlicher Kirchlichkeit auf, wie sie ihren Niederschlag in Skulpturen und liturgischen Objekten gefunden hat. Es läßt sich unschwer ausmalen, dass aus diesen Anregungen ein Bündel für den künftigen Ausstellungsaustausch zu schnüren ist, das nicht nur für die beteiligten Orte, sondern für eine Vielzahl von Museen von Interesse wäre. Ein besonderes Kleinod der Permer Konferenz war schließlich eine Stiftung des Oldenburger Kunstsammlers Jürgen Weichardt, deren Wirkungen auf die kulturelle Öffentlichkeit der Stadt am Ural noch kaum abzuschätzen sind. Aus seiner umfangreichen Sammlung zeitgenössischer Kunst hatte der Sammler dem Permer Museum fünfzig Werke zum Aufbau einer Abteilung zeitgenössischer Kunst überlassen und dazu dann von den noch lebenden Künstlern einen Bestand von weiteren fünfzig Bildern eingeworben. Begleitet durch einen vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanzierten Katalog wurde die so entstandene neue Abteilung während der Konferenz einem in grosser Zahl erschienenen Permer Publikum vorgestellt. Nicht zuletzt durch diese für eine Stadt an der russischen Peripherie einmalige Abteilung wurde ein Grundstein für den Austausch zwischen Russland und Niedersachsen auch im Bereich zeitgenössischer Kunst gelegt, der in den kommenden Jahren vielerlei Früchte tragen wird. Dezember 1996 Newsroom >> Pressemitteilungen >> Ein museologisches Netzwerk... |
| Home .. Ausstellungen .. Begegnungen .. Konferenzen .. Newsroom .. Partner .. Personen .. Salon
|