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Kulturaustausch Russland - Niedersachsen 1997 - ein ResumeeKarl-Heinz Ziessow
Perm, Tjumen und Omsk sind die Niedersachsen partnerschaftlich verbundenen Regionen in Rußland. Seit etwa fünf Jahren gibt es einen regen Austausch zwischen Kultureinrichtungen beider Länder, in den außer diesen Regionen eine große Zahl weiterer Städte und Territorien einbezogen worden sind.
Gemeinsam vom Goethe-Institut Moskau und dem Niedersächsischen Freilichtmuseum Cloppenburg wurde ein Austausch- und Veranstaltungsprogramm entwickelt, das sich mit den spezifischen Problemen der Planung, Durchführung und Vermittlung von kulturellen Veranstaltungen an der Peripherie/in der Provinz beschäftigt.
Durch dieses Programm konnten bereits:
zahlreiche kunst- und kulturhistorische Ausstellungen zwischen beiden Ländern ausgetauscht,
eine Abteilung Moderne Kunst in der Staatlichen Kunstgalerie der Stadt Perm aufgebaut,
Konferenzen zu den Themen "Zentrum und Peripherie" und "Museum und Publikum" in Nishnij Novgorod und Perm durchgeführt sowie
zahlreiche Kontakte zwischen Fachleuten aus beiden Ländern hergestellt werden.
Die insbesondere durch die Fachkonferenzen zustande gekommenen Verbindungen zu Spezialisten des Kulturbereichs aus allen russischen Provinzen und die Erfahrung mit der Umsetzung von Austauschprogrammen in russischen Provinzstädten sind inzwischen eine sichere Basis für die Fortführung und Intensivierung des Kulturaustauschs. Dabei bekommt der Aspekt personeller Kontinuität und die Begründung mittelfristig angelegter Kulturprojekte einen aus der bisherigen Zusammenarbeit hervorgehenden immer höheren Stellenwert.
Das mit dem Goethe-Institut in Moskau und der Kulturverwaltung in Perm abgestimmte Programm für 1997 sieht folgende Ereignisse vor:
Besuch des Permer Ural-Chors in Niedersachsen und Durchführung eines Sonderkonzerts im Rahmen des Niedersächsischen Chorwettbewerbs
Vierwöchiges Praktikum für eine Kunsthistorikerin der Staatlichen Kunstgalerie Perm in der Bakenhoff-Stiftung in Worpswede
Ausstellung von Grafiken des Worpsweder Malers Heinrich Vogeler in Perm
Ausstellung von Gemälden und Skulpturen des Hannoveraner Malers Wolfgang Tiemann in Moskau
Gemeinsame Ausstellung von Münchhausen-Illustrationen aus dem Stadtmuseum Bodenwerder und aus der Staatlichen Kunstgalerie Perm in Perm
Konferenz und Workshop zum Thema "Medien und Kultur" in Perm
Vorbereitung von Ausstellungen des Kulturhistorischen Museums Osnabrück zum Thema "Kriegsgefangenschaft" und des Niedersächsischen Freilichtmuseums Cloppenburg zum Thema "Milch" für das Kulturaustauschprogramm 1998.
Es ist als ein Ergebnis der jahrelangen Zusammenarbeit im Rahmen des Kulturaustausches und der Kooperation der beteiligten Einrichtungen anzusehen, wenn es in diesem Jahr gelingt, in Perm ein aufeinander abgestimmtes Programm von Elementen des fachwissenschaftlichen Austausches, von künstlerischen Aktionen und ihrer öffentlichkeitswirksamen Umsetzung in den örtlichen Medien zu organisieren.
In einer Konferenz mit dem Thema "Medien und Kultur" werden Museumskollegen aus allen Teilen Rußlands und aus Niedersachsen, die bereits häufiger an Veranstaltungen des Kulturaustausches teilgenommen haben, gemeinsam mit deutschen und russischen Medienfachleuten ein Konzept kulturbezogener Medienarbeit entwickeln und in einem anschließenden Workshop in Perm in die Tat umsetzen. Bezugspunkte für die exemplarische Umsetzung ergeben sich u.a. aus der bisherigen Zusammenarbeit mit Niedersachsen:
So ist mit großer öffentlicher Resonanz aus einer Spende des Oldenburger Sammlers Jürgen Weichardt und zahlreicher zeitgenössischer Künstler eine Abteilung Moderne Kunst in der Staatlichen Kunstgalerie Perm entstanden. Ein Workshop in dieser Ausstellung, ein Jahr nach ihrer Eröffnung, vielleicht auch begleitet von einer Arbeitsbegegnung zeitgenössischer Künstler aus Niedersachsen und Rußland in Perm, könnte die bereits begonnene Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst in Perm aufgreifen und unter Medienbegleitung fortführen.
Der Hannoveraner Künstler Wolfgang Tiemann hat vorgeschlagen, in Perm eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Problem der durch Repräsentations- und Aufmarschareale weitgehend vernichteten öffentlichen Räume in Angriff zu nehmen. Eine durch örtliche Medien begleitete Aktion eines niedersächsischen Künstlers würde eine breite Auseinandersetzung mit diesem für alle russischen Großstädte an der Peripherie charakteristischen Problem des verlorenen öffentlichen Raumes in gang setzen.
Darüber hinaus bietet sich eine Verbindung zu dem von Tieman beabsichtigten Expo-Projekt "Das Tote Moor soll leben" an. Die Stadt Perm, unmittelbar an der Grenze zwischen Europa und Asien gelegen, wäre ein idealer Standort für öffentlichkeitswirksame, aufgrund der bestehenden Partnerschaft auch in Niedersachsen zu vermittelnde, Entnahme von Moorscheiben für die spätere künstlerische Bearbeitung. Eine Unterstützung dieser Maßnahme durch die Permer Kulturverwaltung kann mit Sicherheit vorausgesetzt werden.
Schließlich kann auch die zum Zeitpunkt der Fachkonferenz in Perm gezeigte "Münchhausen"-Ausstellung ein Gegenstand medialer Umsetzung sein. Es ist geplant, während der Ausstellungszeit parallel in russischen und deutschen Schulklassen eine Arbeit mit der textlichen, illustrativen und filmischen Umsetzung des Münchhausen-Sujets zu initiieren, die wiederum durch geeignete mediale Umsetzung (Förderprogramm "Schulen ans Netz") direkt miteinander vernetzt werden könnte.
01.12.1997
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