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"Mein Traum ist wahr geworden!" Medien und Kultur im russischen PermKarl-Heinz Ziessow
"Mein fantastischer Traum ist wahr geworden!" lautete im November letzten Jahres die EMail-Nachricht von Tatjana, einer jungen Dolmetscherin aus Perm im Ural an das Museumsdorf in Cloppenburg. Ihr Traum war es, ein Festival des neuen deutschen Films zu veranstalten. Die große Zahl von Permer Studenten der deutschen Sprache, so ihre Feststellung, hatte kaum eine Möglichkeit, sich über diesen Aspekt zeitgenössischer deutscher Kultur ein authentisches Bild zu verschaffen.
Seit Juni war Tatjana unermüdlich am Ball geblieben, hatte vom Goethe-Institut die Filme bekommen, eine Brauerei in Perm als Sponsor gewinnen können und schließlich auch mit dem Städtischen Kulturzentrum einen würdigen Ort gefunden, um dieses einmalige Ereignis zu präsentieren. Der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt, vor allem mit jungen Menschen von den verschiedenen Hochschulen des Ortes und anderen Permer Bürgern, die hier ihr Interesse am deutschen Gegenwartsfilm dokumentierten. Michael Kahn-Ackermann, der Direktor des Moskauer Goethe-Instituts, hatte allen Grund, diese Leistung als beeindruckendes Zeugnis für die neuen Möglichkeiten der Kultur in der russischen Provinz zu werten.
Das Thema "Medien und Kultur" stand in dieser Woche vom 3. bis zum 10. Dezember jedoch nicht nur durch das Filmfestival auf der Permer Tagesordnung. Zu einer deutsch-russischen Konferenz unter diesem Titel waren Fachleute aus zahlreichen Orten in Rußland und Niedersachsen angereist. Vertreten war mit der "Münsterländischen Tageszeitung", der "Nordwest-Zeitung" und der "Hannoverschen Allgemeinen" ein repräsentatives Spektrum mittlerer und großer Tageszeitungen aus Niedersachsen. Mit dem Mitteldeutschen Rundfunk und dem Film- und Medienbüro Niedersachsen waren Hörfunk und Fernsehen ebenso präsent wie die kinematographische Zunft. Die vieldiskutierten "Neuen Medien" stellte ein Vertreter der Oldenburger Firma "Ecce Terram" unter anderem mit dem Beispiel der Internetseiten des Museumsdorfes vor. Bot die Konferenz für die Mitglieder der Delegation eine gesamtrussische Perspektive auf das Verhältnis von Medien und Kultur in den Zentren und in der Provinz, so gaben Exkursionen in Stadt und Bezirk Perm einen Eindruck von regionaler Kultur und Wirtschaft. Ein besonderes Gewicht bekam dieser Besuch darüber hinaus durch die Mitreise einer Beauftragten des Landes Niedersachsen, die Informationen und Kontakte zur Vorbereitung der niedersächsischen "Perm-Tage" zusammentrug.
Das Goethe-Institut betrachtet diese Veranstaltungen, die seit Jahren gemeinsam mit dem Museumsdorf Cloppenburg vorbereitet werden, inzwischen als "Modellfall deutsch-russischer regionaler Kooperation", wie Kahn-Ackermann gegenüber der Niedersächsischen Ministerin für Europaangelegenheiten hervorhob. In diesen Begegnungen werden die Veränderungen, die sich im großen auf nationaler Ebene vollzogen haben, in den politischen Alltag der Regionen übertragen und dort als Elemente der kulturellen Öffentlichkeit verankert. Sichtbarstes Anzeichen dieses noch vor drei Jahren unvorstellbaren Umbruchs ist eine neue Diskussionskultur. Frei gehaltene Referate überwiegen, Fragen werden spontan in die Runde gestellt, und immer wieder kommen witzige Entgegnungen. Schwadroniert ein Fernsehredakteur lang und breit über das Medium im allgemeinen, so holt ihn die Frage nach einem fehlenden Kulturprogramm in seinem Sender schnell wieder in die Gegenwart zurück.
Andererseits bieten Anregungen und Initiativen aus Medienanstalten und Kultureinrichtungen beider Länder vielfältige Anlässe zu Nachfragen und zum Vergleich. So wird das Beispiel von Alexander Jefimowskij, der mit seinem Programm "Offenes Museum" regionales Museumsmarketing vorführt, begeistert diskutiert. Man kann jetzt schon gewiß sein, daß es wie so viele andere Initiativen, die in den vergangenen Jahren auf diesen Konferenzen vorgestellt wurden, in anderen russischen Städten Nachahmer findet.
13.03.1998
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