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Das Gedächtnis des Körpers. Unterwäsche im Sozialismus

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"Das Gedächtnis des Körpers": Unterhosen in Nizhni Novgorod

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Pressemitteilungen

Zwischen Staatskrise und Regionalpartnerschaft -
Russland-Projekte Niedersachsens 1998/99

Karl-Heinz Ziessow

Swetlana Makowetskaja, die energische Unternehmensberaterin aus Perm, brachte es auf den Punkt: "Wenn Sie so gut sind in Rußland", wird man mir vorhalten, "warum hört man dann so wenig von Ihnen?". Als Teilnehmerin einer gemeinsam vom Land Niedersachsen, dem Sibirischen Städteverband und dem Goethe-Institut in Moskau durchgeführten Fachkonferenz über "Stadt- und Kulturmarketing" diskutierte sie mit Spitzenbeamten der Städte Hannover und Leipzig über Fragen der städtischen Außenpräsentation, aber auch der Selbstdarstellung nach innen, gegenüber den eigenen Bediensteten.

Seit dem Ausbruch der Krise im August 1998, der offenbaren Zahlungsunfähigkeit Rußlands und dem fast vollständigen Zusammenbruch der Geschäftstätigkeit aller seiner Banken ist das Negativimage des Landes fixiert: völlige ökonomische Unzuverlässigkeit, ein scheinbar bodenloser Sumpf der Korruption, die völlige Bedeutungslosigkeit auf dem internationalen politischen Parkett und dazu der kranke Präsident, den niemand - auch dies für viele ein Sinnbild politischer Ziel- und Ausweglosigkeit - wirklich stürzen zu wollen scheint.

Die Regionalpartnerschaft mit Rußland, die das Land Niedersachsen - mit allerdings auch in diesem Bereich schrumpfenden Mitteln - betreibt, ist in dieser Situation, in der die "großen" Strukturen eher eine Bedrohung als eine Hilfe darstellen, gut beraten, weiterhin auf Kontinuität im überschaubaren Rahmen zu setzen. Dies Konzept geht nach wie vor auf, so auch in den Projekten, die 1998 auf den Weg gebracht wurden.

Die kulturelle Zusammenarbeit hat sich inzwischen auf der Arbeitsebene etabliert, wie der Besuch einer sechsköpfigen Delegation von Institutsleitern aus dem Kulturbereich aus dem Permer Bezirk im Februar 1999 bestätigte. Ein wechselseitiger workshop zwischen dem Oldenburger Tanztheater und seinem Permer Gegenstück unter der Leitung des Choreographen Panfilow, die Präsentation der "Unterwäsche"-Ausstellung in Perm im Rahmen eines internationalen museologischen workshops und die kulturgeschichtlich vergleichende Darstellung der weltberühmten Permer Kirchenskulpturen standen im Zentrum der Unterredung mit dem Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur. Mit der Ankündigung eines baldigen Besuchs in Perm unterstrich Thomas Oppermann die Bedeutung des Kulturaustauschs mit dieser östlichsten Region im europäischen Teil Rußlands.

Am weitesten der Konkretisierung nahe ist das deutsch-russische Ausstellungsprojekt "Das Gedächtnis des Körpers - Die Geschichte der sozialistischen Unterwäsche". Körpererfahrungen in 70 Jahren Sozialismus, das Verhältnis von Intimität und Öffentlichkeit, aber auch das ganz praktische Umgehen mit wechselnden Qualitäten und - als augenfälligstes Beispiel vielleicht - die Unmöglichkeit des Anprobierens in russischen Geschäften, dies alles sind Themen einer Zusammenarbeit von sechs Museen aus Rußland und Deutschland, die geradezu beispielhaft die Chancen einer konkreten Regionalpartnerschaft illustriert. Die Gesamtleitung liegt beim Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Nizhni Novgorod und beim Museumsdorf Cloppenburg, die schon eine lange Geschichte der Zusammenarbeit einbringen können. Hinzu kommt als vielleicht wichtigste Fachfrau Julia Dimidenko mit ihrer Sammlung privat genähter Unterwäsche, die es erlaubt, ein privates Gegenbild zum "Industriestandard" sichtbar zu machen. Julia Dimidenko hat auch vermittelt, daß die Ausstellung in St. Petersburg in Räumen der Peter- und Pauls-Festung gezeigt wird. Und natürlich ist Perm als Ausstellungsstation dabei, hier dann auch kombiniert mit einer Konferenz, die die Verfahren und Ergebnisse der Zusammenarbeit einem breiten museologischen Publikum präsentieren wird.

Deutsche Partner des Vorhabens sind neben Cloppenburg das Ruhrlandmuseum in Essen sowie das Stadtmuseum in Leipzig. Aus Leipzig kommt vor allem die DDR-Perspektive unserer jüngsten Vergangenheit. Dort verfügt man über die umfangreichen Sammlungen des früheren Sportmuseums, und der Sport war in allen hier dargestellten Perioden ein wichtiges Vorbild für die Entwicklung der Unterwäsche. Angelika Wuszow vom Ruhrlandmuseum Essen und Wolfgang Hase vom Museumsdorf Cloppenburg haben sich angeboten, ihre Ideen vor allem im Gestaltungsbereich einzubringen. Der Designer Raymon E. Müller und Wolfgang Hase kehren gerade von einer längeren Arbeitssitzung in Moskau zurück, auf der die Grundlagen des Designs besprochen wurden. Ende Mai soll es eine Fortsetzung geben, und im Frühjahr 2000 darf man sich, wenn bis dahin die Finanzierung nicht nur für die Vorbereitung, sondern auch für die Ausstellung selbst gesichert ist, auf ein außergewöhnliches Ausstellungsereignis freuen.

Eine Bestätigung der Partnerschaftsarbeit, die das Museumsdorf Cloppenburg geleistet hat, war das Angebot des Russischen Fremdenverkehrsamts, auf den dortigen Internet-Seiten zu erscheinen. Dies ist eine willkommene Ergänzung eines Projekts, das bisher noch im Verborgenen blüht: Der Aufbau von Internet-Seiten für den Kulturaustausch.

13.05.1999

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