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papeRRoads - Die Förderer des Projektes

Wolfgang Tiemann: paperRRoads
(Migrating Media)

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Eröffnungsrede zur Ausstellung "PaperRoads" von Wolfgang Tiemann im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim von Prof. Dr. Rolf Wernstedt

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Ausstellungen >> Paperroads >> Pressestimmen >> Frankfurter Rundschau 26.03.2002
PaperRoads - Ein Kunstprojekt von Wolfgang Tiemann zu 1250 Jahren Papiergeschichte

Wolfgang Tiemann
Wolfgang Tiemann: papeRRoads
Migrating Media through 1250 Years
(Text in englischer Sprache)

Pressestimmen

Frankfurter Rundschau
26.03.2002

Papierlandschaften verbinden Hannover mit Samarkand. Der niedersächsische Maler Wolfgang Tiemann erinnert mit einer Ausstellung an den Beginn des Papierzeitalters vor mehr als 1250 Jahren

Von Stefan Koch (Samarkand)

Der Geruch von Verdünnungsmittel liegt über dem Registan, dem berühmten Platz Samarkands. Bauarbeiter, Milizionäre und Passanten riechen es schon von weitem. Literweise schüttet Wolfgang Tiemann das Mittel über die Papierbahn, die auf einer schmalen Holzbühne vor ihm liegt. Der Maler und Grafiker aus Hannover sprüht, malt und zeichnet mit schwarzer Tinte und Kunstharzfarben auf einer 25 Meter langen Papierbahn. Stierköpfe, Torsi, weibliche Akte entstehen. Dazwischen Strukturen, Landschaften, mythische Wesen, düster wirkende Körper.

Auf diesem Platz, der als bekanntestes Symbol Usbekistans gilt, gab es durch die Jahrhunderte hinweg Militärparaden, hier wurden Gesetze verkündet und Verbrecher hingerichtet. Im Jahr 751 schleppten sich chinesische Kriegsgefangene über den Registan, die über ein ganz besonderes Wissen verfügten: das Geheimnis der Papierherstellung. Die geschlagenen Krieger wurden zu den unfreiwilligen Begründern des Papierzeitalters in der arabischen und europäischen Welt.

Das Jahr 751 ist es auch, das Tiemann mit seiner Kunstaktion "PaperRoad" in Samarkand würdigen will. Er begann mit seiner Arbeit im heimischen Atelier in Hannover - nun präsentiert er sie an dem Ort, der ihn inspirierte. Im staatlichen usbekischen Museum, das nur wenige Schritte vom Registan entfernt liegt, präsentiert der Hannoveraner 17 großformatige Aquatinta-Radierungen, die an den Beginn des Papierzeitalters und die Begegnung der chinesischen, arabischen und europäischen Kultur entlang der Seidenstraße erinnern.

Zu sehen sind ägyptische Tempelwächter, ein Minotaurus, die Keilschrift der Phönizier, chinesische und arabische Schriftzeichen. Ganz bewusst hat sich Tiemann für Tiefdrucke entschieden, um den eigentlichen Unterschied zwischen dem althergebrachten Papyrus und dem Papier deutlich zu machen - erst durch die Bedruckbarkeit und später durch die beweglichen Lettern wurden die Grundlagen der modernen Kommunikation gelegt. Entstanden sind diese Arbeiten 1250 Jahre nach der Ankunft der Kriegsgefangenen in Samarkand. Die fünf Meter langen Radierungen sollen zum Dialog zwischen den Kulturen anregen. Interesse weckten sie schon einmal beim deutschen Botschafter aus Taschkent, dem usbekischen Außenminister und Vertreter des usbekischen Parlaments. Mit solch prominenter Aufmerksamkeit hatten Bürgermeister und Museumsdirektor von Samarkand gar nicht gerechnet.

Samarkand galt über Jahrhunderte als bedeutende Station entlang der Seidenstraße von China nach Europa. Auf dieser Route wurden Gewürze und Seide transportiert. Im Gepäck hatten die Reisenden aber auch Ideen und Philosophien. Bis zur Entdeckung des Seeweges trafen sich hier Händler und Krieger und mit ihnen auch Gelehrte und hohe Staatsbeamte. Dank ihrer Hilfe gelangte das Geheimnis der Papierherstellung über die arabische Welt nach Europa. Dass dabei die Stadt Samarkand eine herausragende Rolle spielte, war schon Johann Wolfgang von Goethe bekannt, der in seinem "Westöstlichen Diwan" vom Samarkander Seidenpapier schwärmte. An diese Blütezeit erinnern reich verzierte Madrasas und Moscheen, die noch heute das Bild der 300 000-Einwohner-Stadt prägen.

Die einst so berühmte Papierherstellung spielt allerdings nur noch eine untergeordnete Rolle in Samarkand. Dass nun ausgerechnet ein deutscher Künstler das Jahr 751 in Samarkand würdigt, sieht Machmud Nasarow, ein Handwerker, der sich in seinem Hinterhof wieder in der Kunst des Papierschöpfens versucht, als gutes Zeichen. Der Usbeke hofft auf einen Neubeginn dieser Fertigkeit in Samarkand: "Alles kommt wieder an seinen Anfang zurück. Das ist immer so im Leben", sagt Nasarow.

Vom 30. April an werden die Kunstwerke "PaperRoad" für 100 Tage im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum gezeigt. Ein Buch zu dem Kunstprojekt erscheint im Friedrich-Verlag Velber.

Copyright © Frankfurter Rundschau 2002. Erscheinungsdatum 26.03.2002

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