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papeRRoads - Die Förderer des Projektes

Wolfgang Tiemann: paperRRoads
(Migrating Media)

Geleitwort des Schirmherrn Prof. Dr. Rolf Wernstedt

Eröffnungsrede zur Ausstellung "PaperRoads" von Wolfgang Tiemann im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim von Prof. Dr. Rolf Wernstedt

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Ausstellungen >> Paperroads >> Pressestimmen >> Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ) 05.04.2002
PaperRoads - Ein Kunstprojekt von Wolfgang Tiemann zu 1250 Jahren Papiergeschichte

Wolfgang Tiemann
Wolfgang Tiemann: papeRRoads
Migrating Media through 1250 Years
(Text in englischer Sprache)

Pressestimmen

Moskauer Deutsche Zeitung (MDZ)
05.04.2002

Papier selbst gemacht.
Ausstellung erinnert an die ersten Kontakte zwischen Chinesen, Europäern und Arabern

Von Stefan Koch

Der Geruch von Nitrolack liegt über dem Zentrum von Samarkand. Bauarbeiter, Milizionäre und Passanten riechen das Verdünnungsmittel schon von weitem. Gleich literweise schüttet es Wolfgang Tiemann über eine lange Papierbahn, die auf einer schmalen Holzbühne liegt. Der Maler und Grafiker aus Hannover sprüht und zeichnet mit schwarzer Tinte und Kunstharzfarben auf einer Länge von 25 Meter Landschaften und Ornamente. Dazwischen tummeln sich Stierköpfe, Frauenakte, mystische Wesen und düster wirkende Gestalten.

Der hochgewachsene Zweizentner-Mann steckt an diesem sonnigen Vormittag seine ganze Energie in das Papier. Seine Arbeit soll der Kulisse des Registan, dem historischen Zentrum der usbekischen Hauptstadt, in nichts nachstehen. Rings um ihn erheben sich drei jahrhundertealte islamische Bildungsstätten: Die Eingangsportale der Medressen Tillakori, Scherdor und Ulug Bek ragen 35 Meter hoch über den historischen Platz. Hier wurden Militärparaden abgehalten, Gesetze verkündet und Verbrecher hingerichtet. Im Jahr 751 schleppten sich sogar chinesische Kriegsgefangene vorüber. Gerade sie wurden die unfreiwilligen Begründer des Papierzeitalters. Denn die geschlagenen Krieger verfügten über ein ganz besonderes Wissen: Das Geheimnis der Papierherstellung.

Der Niedersachse Tiemann will den Beginn dieser Epoche nun mit seiner Kunstaktion "PaperRoad" würdigen. Im Staatlichen Usbekischen Museum, wenige Schritte vom Registan entfernt, präsentiert der Hannoveraner 17 großformatige Radierungen. Sie erinnern an die ersten Begegnungen von Chinesen, Arabern und Europäern entlang der Seidenstraße. Ihre Drucke zeigen ägyptische Tempelwächter und die Göttin Europa oder die Keilschrift der Phoenizier sowie chinesische Schriftzeichen. Ursprünglich wollte Tiemann mit seinen fünf Metern langen Radierungen zum Dialog zwischen den Kulturen anregen. Durch die Terroranschläge vom 11. September wurde sein Aufruf besonders aktuell. Das konnte Tiemann allerdings nicht ahnen, als er sich im vergangenen Frühjahr in seinem Atelier bei Hannover und später in einer leer stehenden Fabrikhalle in Alfeld an die Arbeit machte. Jetzt stößt sein Werben um gegenseitiges Verständnis auch in politischen Kreisen auf Wohlwollen. Der deutsche Botschafter in Taschkent, der usbekische Außenminister, Vertreter des usbekischen Parlaments - sie alle sind an dieser Kunstaktion interessiert. Das verblüfft besonders den Bürgermeister und den Museumsdirektor von Samarkand, die mit dieser prominenten Aufmerksamkeit nicht gerechnet haben. Doch auch Machmud Nasarow ist angenehm überrascht. Dass ausgerechnet ein Deutscher das Jahr 751 in Samarkand würdigt, sieht er als gutes Zeichen. Der Usbeke hofft auf einen Neubeginn des Papierschöpfens in Samarkand: "Alles kommt wieder an seinen Anfang zurück. Das ist immer so im Leben", sagt er. Machmud Nasarow ist Handwerker. Der 45-Jährige versucht seit einiger Zeit, auf einem kleinen Hinterhof unweit vom Registan selbst Papier zu schöpfen. Die Maschinen, die er sich eigens dafür angeschafft hat, waren schon lange nicht mehr in Betrieb gewesen: Von einer dicken Staubschicht überzogen, standen sie vergessen in einer Werkstattecke. Nasarow trägt immer einen kleinen Zettel bei sich. Dort hat er sich fein säuberlich notiert, wann die alten arabischen Metropolen zum ersten mal Papier benutzten.

Wolfgang Tiemann musste vier Jahre warten, bis er seine Idee umsetzten konnte. "Ohne die Rückendeckung von Niedersachsens Landtagspräsidenten Rolf Wernstedt hätten sich so manche Türen in Usbekistan wohl nicht so schnell für die Kunstaktion geöffnet", gibt der Künstler zu bedenken. Wernstedt, dem als Historiker die Bedeutung der Seidenstraße für den Beginn des Papierzeitalters bekannt ist, ist sich sicher, dass sich der Aufwand gelohnt hat: "Tiemanns Papierfahnen sollen ein Symbol sein dafür, dass sich Grenzen auch friedlich überwinden lassen."

Ab 30. April an werden die Kunstwerke "PaperRoad" für 100 Tage im Hildesheimer Roemer-Pelizaeus-Museum gezeigt. Ein Buch zu dem Kunstprojekt erscheint im Friedrich-Verlag Velber.

Samarkand war über Jahrhunderte eine bedeutende Station an der Seidenstraße von China nach Europa. Auf dieser Route wurden Gewürze und Seide transportiert. Im Gepäck hatten die Reisenden auch Ideen und Philosophien. Bis zur Entdeckung des Seeweges trafen sich hier Händler und Krieger, und mit ihnen auch Gelehrte und hohe Staatsbeamte. Dank ihrer Hilfe gelang das Geheimnis der Papierherstellung über die arabische Welt nach Europa. Dass dabei die Stadt Samarkand eine herausragende Rolle spielte, war schon Johann Wolfgang von Goethe bekannt, der in seinem "West-Östlichen Diwan" vom Samarkander Seidenpapier schwärmte. An diese Blütezeit erinnern reich verzierte Medressen und Moscheen, die noch heute das Bild der 300 000-Einwohner-Stadt prägen. Die einst so berühmte Papierherstellung scheint heute allerdings vergessen.

Copyright © MDZ 2002. Erscheinungsdatum 05.04.2002

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